Die Faustball-Abteilung des STV blickt zwiespältig auf 2025 zurück. Sportlich war das Jahr mit der
Vizemeisterschaft in der Bezirksliga, der erfolgreichen Teilnahme an verschiedenen
Freundschaftsturnieren und der gelungenen Integration neuer Spieler durchaus erfolgreich. Auf der
anderen Seite verfolgt die Abteilung mit zunehmender Sorge die Diskussion um den möglichen
Neubau eines Feuerwehrhauses auf dem Platz an der Jahnstraße.

Viele Fragezeichen über der Zukunft
Hintergrund ist, dass der Kunstrasenplatz der vereinseigenen Anlage saniert werden muss.
Vor 15 Jahren versprach die Stadt dem STV, wie allen anderen betroffenen Siegburger Fußballvereinen,
ihre Plätze auf städtische Kosten zu sanieren. Bei allen anderen Vereinen erfolgte die Sanierung
auf städtische Kosten. Da der STV Platz vereinseigen ist, hält die Stadt die Zusage in der
ursprünglichen Form nunmehr für nichtig. Nun ist die Haltung, dass die Platzsanierung aus dem
Verkaufserlös eines Teilstücks des Vereinsgeländes für das neue Feuerwehrhaus finanziert werden soll.

Dies hätte nach den bisher bekannten Plänen zur Folge, dass der Faustballplatz massiv betroffen
wäre und es unklar ist, ob auf der verbleibenden Fläche überhaupt und gefahrlos – Stichwort
Auslauf – Faustball gespielt werden kann.
Gleiches gilt im Hinblick auf die Anforderungen zur Ausrichtung möglicher Meisterschaftsspiele.
In der Faustball-Abteilung sind sich die Aktiven klar und einig, dass eine Feuerwehr samt deren
Infrastruktur notwendig und lebenswichtig ist. Überrascht ist man, wie gering in diesem Kontext die
Leistung des gesamten STV für die gesellschaftliche Entwicklung und den sozialen Zusammenhalt
in Siegburg gewürdigt wird. Vereinssport ist Teilhabe, Integration, Inklusion und das über nahezu
alle Altersgrenzen hinweg.

Halle nicht für Alle?
Nicht minder irritierend ist die geplante bürokratische Umsetzung der überarbeiteten
Nutzungsordnung für städtische Sporthallen.

Die drei kritischen Punkte der Neuauflage:
Erstens: Vorlage C-Lizenz Übungsleiter. Trotz aller aktuellen und vergangenen Bemühungen, wird
es bei dem zeitlich erforderlichen Aufwand, der für den Erwerb einer C-Lizenz erforderlich ist,
weiterhin schwierig sein, Menschen dafür zu gewinnen. Das entnehmen wir auch dem Masterplan
Sport, der von der Stadt erstellt wurde und auch aus Gesprächen mit anderen Gruppen/Vereinen
innerhalb und außerhalb von Siegburg. Dabei duldet der LSB/KSB Übungsleiter ohne Lizenz.

Zweitens: Es wird eine Mindestbelegung von 12 Teilnehmenden vorausgesetzt, wobei in diesem
Fall sportartspezifische Anpassungen möglich sein könnten. Faustball wird mit fünf Teilnehmenden
pro Mannschaft gespielt und benötigt die gesamte Fläche der Dreifachhalle.

Drittens: In der neuen Regelung heißt es: Ganzjahres-Hallensportarten haben bei der Vergabe
Vorrang. Nach den Faustballregeln ist Faustball kein saisonbedingter Sport. Im Sommer wird im
Freien (Naturrasen) und im Winter in einer Dreifachhalle gespielt. Daher könnte von der neuen
Regelung auch der Faustballsport betroffen sein, da die Halle nur zeitweise genutzt werden kann.
Qualifizierungen sind gut und sinnvoll. Ziel sollte es weiterhin sein, Breitensport und soziales
Miteinander pragmatisch und mit so wenig Bürokratie wie möglich zu ermöglichen. Vorschläge
dafür gibt es. Seit vielen Jahren nimmt die Abteilung Menschen aus dem In- und Ausland auf und
hat sich seit 2015 auch bei der Integration von Flüchtlingen engagiert. Egal aus welcher Nation
oder mit welchem Hintergrund die Menschen kamen, nach Lizenzen wurde nie gefragt.

Alle waren froh in einer Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Die Alternative wäre gewesen, dass diese
Menschen keine Gemeinschaft und soziale Bindungen finden und wahrscheinlich sonst auch keine gefunden hätten.

Und Sport wurde auch noch gemacht
Die beschriebenen Ungewissheiten dürfen aber den Blick auf die sportlichen Erfolge der Abteilung
nicht verstellen. In der Hallen-Saison 2024/2025 belegten die Faustballer in der Bezirksliga den
vierten Platz. Hier wäre sicher mehr drin gewesen, aber das Quintett ließ in zu vielen Spielen
unnötig Punkte liegen. Wobei es das Team mit durchweg starken und eingespielten Mannschaften
zu tun hatte. Diese „bestraften“ schon kleinere Schwächephasen und Unkonzentriertheiten.
Vizemeister nach Herzschlagfinale
Viel besser lief es dann aber in der Feldsaison. Denn die Faustballer des STV nutzten den letzten
Spieltag in der Bezirksliga auf heimischen Platz, um in einem Herzschlagfinale noch auf den
zweiten Tabellenplatz vorzustürmen. Die Mannschaft unterlag im Endspiel gegen den PSV
Wuppertal zwar knapp in zwei Sätzen, freute sich aber über den Titel des Vizemeisters umso
mehr. Über die Saison wurde das Quintett aus Wuppertal verdient Meister. Zum Auftakt des
Spieltags tankten die Faustballer gegen den TV Voerde 2 Selbstvertrauen. Denn gegen den
starken Gegner gab es einen klaren, aber in jedem Satz knappen, Zwei-Satz-Sieg. Das
Prestigeduell gegen Bayer 04 Leverkusen 3 endete dann leider jäh, als sich ein Spieler der
ohnehin nur zu viert spielenden Leverkusener verletzte. Damit konnte das Team laut Reglement
nicht mehr weiterspielen. So kam es dann gegen den PSV zum Endspiel um die Meisterschaft.
Trotz einer mannschaftlich geschlossenen Leistung mit viel Wille und Spielwitz waren die Polizei-
Sportler am Ende doch an diesem Tag eine Nummer zu groß.

Sensationssiege bei den FINALS in Dresden
Doch zum Feiern blieb wenig Zeit, denn die Aktiven
richteten die Blicke nach Dresden. Dort wurden vom 31.
Juli bis zum 3. August die FINALS 2025 ausgetragen. Auf
dem Multisport-Event, das Insider als Mini-Olympia
bezeichnen, traten auch Männer und Frauen Faustball-
Teams gegeneinander an. Der Ahlhorner SV und der TSV Hagen sorgten bei den Finals in
Dresden für eine Wachablösung im Faustball. Die Außenseiter besiegten in den Endspielen jeweils
die Rekord- und Serienmeister. Die Frauen aus Ahlhorn besiegten Schneverdingen in vier Sätzen,
die Männer aus Hagen wiesen Pfungstadt in sechs Sätzen in die Schranken. Kleine Faustball-
Sensationen.
Vielleicht ein wenig davon motiviert nahmen die Faustballer noch erfolgreich an den drei
Traditionsturnieren in Marialinden, Dörnberg und Wahlscheid teil. Auch wenn dort „offiziell“ der
Spaß im Vordergrund steht, wird regelmäßig faszinierender Faustball-Sport geboten. Umso mehr
freuten sich die Faustballer, dass sie in Marialinden sogar den dritten Platz belegen konnten.
Umso schöner, dass es neben dem sportlichen Erfolg auch jede Menge gute Gespräche und noch
mehr Spaß gab. Im Faustball kennt und schätzt man sich.

Heimturnier wieder das Highlight
Das absolute Highlight der Abteilung war auch in diesem Jahr wieder das große und gut besuchte
heimische Hallenturnier. Möglich wurde die Neuauflage auch durch die großzügige Unterstützung
von Mobau Selbach und der Kreissparkasse Köln. Insgesamt acht Mannschaften (Braschosser TV,
TV Jahn Dörnberg I und II, VfL Kirchen I und II, TuS Marialinden, der SV Glückauf Steinenbrück
und der Siegburger TV) trafen bei der 22. Auflage des sportlichen Kräftemessens in der
Siegburger Anno-Halle aufeinander. Gespielt wurden Halbzeiten zu je acht Minuten. Am Ende der
insgesamt 20 Begegnungen stand der Braschosser TV als Sieger fest.

Das Quintett setzte sich in einem packenden Finale gegen den TV Jahn Dörnberg durch. Traditionell bekam der Sieger die
berühmte Siegburger Schnelle als Trophäe überreicht.
Doch damit nicht genug. Faustball-Abteilungsleiter Jörn Rottleb hatte sich noch etwas Neues einfallen lassen. Er war im
Geschenkeshop des Sozialverbandes Kolping International auf eine innovative und nachhaltige
Geschenkidee gestoßen: Es gab für die Sieger auch eine Hühnerpatenschaft und damit die
Gewissheit, dass bedürftige Menschen nun dank des Tieres mit Eiern ein gesundes
Nahrungsmittel haben, das auch verkauft werden kann, um zum Beispiel das Familieneinkommen
zu stärken oder Schulgebühren zu bezahlen. Die Spieler des Braschosser TV waren jedenfalls
genauso von der Idee begeistert, wie die restlichen Mannschaften. Und so könnte es sein, dass
eine neue Medaillen-Tradition entstanden ist.

Im Vorfeld des Turniers hatten wieder die Aktiven der Faustball-Abteilung des STV auf jede nur erdenkliche Art und Weise
mit angepackt und geholfen, damit es wieder ein gelungenes Turnier wurde.

Platzpflege damit der Platz nicht zum Pflegefall wird
Auch schon Tradition hat, dass die
Abteilung gemeinschaftlich die Anlage zum Start und Ende der Saison pflegt. In Eigenleistung
wurde wieder die Spielfläche auf dem Naturrasen, inklusive der regelkonformen Auslaufzonen
gewalzt, damit erfolgreicher Faustballsport möglich ist. Zusätzlich wurden einige Feinarbeiten am
Spielfeld vorgenommen, die Sitzbänke gestrichen, die Garage aufgeräumt, Abfall gesammelt und
umweltgerecht bei der RSAG entsorgt. Dadurch konnten die Rahmenbedingungen in der
Jahnstraße insgesamt verbessert werden, was auch dazu führt, dass unsere Aktiven in den
Sommermonaten den Faustball auch mal mit dem Beachvolleyball tauschen, um einmal abseits
vom eigenen Sport die vielfältigen Angebote des STV zu nutzen.
Weiterbildung statt weiter so
Kinder haben ein Recht darauf, frei, unbehelligt, selbstbestimmt und ungefährdet Sport machen zu
können. Das kann nur gelingen, wenn jede:r Kinderschutz als persönliche Verantwortung begreift.
In der Faustball-Abteilung nehmen derzeit keine Minderjährigen am Sport- und Spielbetrieb teil.
Dennoch besuchten sechs Aktive Workshops zum Kinderschutz. So entsteht ein geschützter
Raum für die Kinder.
Faustball ist eine Randsportart, die sich weiterentwickeln muss und will. Um neue Ideen zu
sammeln, besuchten drei Mitglieder der Faustball-Abteilung entsprechende Fortbildungen
der Dachorganisation „Faustball-Deutschland“. Ein Beispiel ist Wowball. Dabei treten zwei
Spielende pro Team auf einem kleineren Spielfeld gegeneinander an. Premiere hatte die schnelle
und dynamische Variante des Faustball 2024. Auch die Aktiven der Faustball-Abteilung haben
bereits im Rahmen des wöchentlichen Trainings Wowball ausprobiert und hatten vom ersten
Moment an viel Freude.
Vereins- und Mannschaftssport als Konstante in einer ungewissen Welt
Das Jahr 2025 zeigte sich als eine Fortsetzung der so zahlreichen Krisen und Konflikte.
Ungewissheit, Resignation und zum Teil auch Angst gehören mittlerweile zu den ständigen
Begleitern. Es scheint immer weniger zu geben, das für Konstanz und Verlässlichkeit steht.
Insofern ist es zweifelsfrei eine Form von Privileg, regelmäßig Sport in der Gemeinschaft treiben zu
können. Mit dieser Gewissheit blickt die Faustball-Abteilung mit einer gewissen Zuversicht auf das
kommende Jahr.